09.03.03 bis 30.05.03

Sächsische Zeitung (Lokales Riesa ), 08.03.2003

Kreativ-Quartett

Auftakt für Riesaer Künstlergruppe

Ausstellungseröffnung am Sonntag bei Mannesmann

Brigitte Abend

Mit der Ausstellung "Auftakt", die Wolfgang Arndt am Sonntag um 17 Uhr im Restaurant seines Betriebes eröffnen wird, gibt der Mannesmann-Personalchef wieder einmal Künstlern unserer Region die Chance, ihre Werke zu präsentieren. Die vier Akteure haben gemeinsam, dass sie neben ihrem Beruf in der Freizeit kreativ tätig sind.

Zum Beispiel Stefan Nitzsche: Nach dem Studium zum Bauingenieur arbeitet er im Strehlaer Familienbetriebals Prokurist. Den Beginn seiner künstlerischen Arbeiten bildete ein Spieltisch mit Schachbrett. Aus Metall und Holz gefertigt, stellte er das Gesellenstück zum Abschluss der Lehre und ein Geschenk zum runden Geburtstag des Vaters dar. Die Reaktionen darauf ermutigten ihn, in dieser Richtung weiterzuarbeiten. Bevor aber seine attraktiven Möbel und Inneneinrichtungsgegenstände entstanden, bedurfte es vieler Experimente mit Formen und Materialien. Um das Hobby zum Beruf zu machen und Unikate sowie kleine Serien zu vermarkten, gründete er mit seinem Bruder die Firma "cronauer design collection". "Aber in meinem Kopf entstanden Kunstobjekte, die in keine der beiden Firmen hinein passten", erzählte Stefan Nitzsche von den Anfängen als Bildhauer. Beim Besuch einer Ausstellung der "Brücke"-Gruppe faszinierte ihn die Idee, mit anderen zusammenzuarbeiten, ohne das Individuelle aufzugeben. Also sprach er die drei an, die mit ihm gemeinsam ab Sonntag ausstellen werden, und es entstanden gemeinsame Arbeiten. Die erstmals öffentlich gezeigten Skulpturen dokumentieren das starke Interesse des Hobby-Künstlers am aktuellen politischen Leben.

Die Idee zur gemeinsamen Ausstellung kam von Christiane Balzer. Sie hatte 1994 im Riesaer Städtischen Zentrum für Geschichte und Kunst und drei Jahre später zusammen mit Paul Häusler und Andreas Hinkel in der Städtischen Galerie bereits viel beachtete Ausstellungen, aber ebenso überregional in Radebeul und Neuß bei Düsseldorf. Im Jahr 2000 stellte sie einige Arbeiten zusammen mit über 300 Künstlern aus mehr als 160 Ländern in Frankreich aus. Auch sie nutzt künstlerische Mittel, um sich auseinander zu setzen mit Beziehungen der Menschen miteinander, zur Gesellschaft und zur Umwelt. Ihr Prinzip, die Leute für Probleme empfindsam zu machen, charakterisiert auch ihr aktuelles Schaffen. "Stagnation habe ich für mich nicht empfunden", meint Christiane Balzer mit dem Blick auf die Weiterentwicklung ihrer Ergebnisse. Dies ist zum einen die größere Hinwendung zum Dreidimensionalen. Zum anderen beschäftigt sie sich mit philosophischen Fragen, nämlich der nach dem Ursprung und nach dem wechselvollen Verhältnis von Anfang und Ende. Zwei ihrer Plastiken, die sie neben Bildern bei Mannesmann ausstellt, sind eine Hommage an die Frau, an ihre Fruchtbarkeit.

Ebenfalls zum ersten Mal stellt sich auch Guido Kahle der öffentlichen Bewertung. Nach den Lehren zum Flugzeugmechaniker und Fotolaborant erlebte er während der Ausbildung zum Bankkaufmann den Übergang vom Blei- und Fotosatz zum computerorientierten Setzen. Seine Faszination für Grafikprogramme war Schuld, in seiner Heimatstadt Riesa unter dem Namen "Zille & Friends" eine Agentur zu eröffnen. Die gestalterischen Möglichkeiten bereiten ihm so viel Freude, dass sie ihn auch in der Freizeit beschäftigen: mit Malerei, Grafik und Fotografie. "Natürlich sind das in erster Linie moderne Bauwerke", schränkt er ein, denn seine Objektsuche führt ihn in die nähere Umgebung. Das Fotografieren, bei dem es ihm besonders auf die Perspektive ankommt, stellt nur den ersten Schritt dar. Erst die Bearbeitung am Computer, wie zum Beispiel Schärfe/Unschärfe oder Farbigkeit, lassen aus dem Dokumentarischen etwas Gestaltetes entstehen. Die Ausstellung damit vielschichtiger und interessanter zu machen, ist eines der Motive, warum sich Guido Kahle entschied, seine Fotoarbeiten auszustellen.

Andreas Hartzsch ist das vierte Mitglied der kleinen Gruppe. Auch von ihm wissen viele, dass er sich mit künstlerischer Glasgestaltung beschäftigt, spätestens seit 1999, als er für die Rock`n`Roll-World-Masters und Ido Danceshow sowie für die Sumo-Weltmeisterschaften wunderschöne und einmalige Pokale schuf. Die Freude am Kreativsein ist der Grund dafür, dass der Glasermeister immer wieder neue Gestaltungsmöglichkeiten erprobt. Ausstellungen sind für ihn nichts Neues. Dazu zählen unter anderem internationale Glaskunstausstellungen oder der Wettbewerb "Sächsischer Staatspreis für Design". "Der Ausstellung liegt die Idee der Gemeinschaftsarbeit zu Grunde", erklärt Andreas Hartzsch, als er von einem Bild erzählt, das er mit Christiane Balzer gemalt hat. Die Arbeit in der Gruppe rege zu Sichtweisen an, die im stillen Kämmerlein nicht entstehen. Zudem nutzen die vier gern die Chance, die Mannesmann ihnen bietet. "Ich freue mich darauf", schmunzelt Wolfgang Arndt und hebt sich jede weitere Äußerung für die Eröffnung am Sonntag auf.

Wunderschöne Kreationen aus Glas von Andreas Hartzsch werden bei Mannesmann zu sehen sein.

weiter next